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Uriah Heep rockten den Rosenhof

Haben ihre Traumbesetzung gefunden: Uriah Heep mit Urgestein Mick Box (links). <i>PR-Foto  </i>
Haben ihre Traumbesetzung gefunden: Uriah Heep mit Urgestein Mick Box (links). PR-Foto  lupe_rot
Osnabrück (whs) - Perfekter Start der Deutschland-Tour! Leidenschaft, Easy Livin‘ und Emotionen – die Herren von Uriah Heep legten am Donnertag vor rund 550 Fans im brodelnden Osnabrücker Rosenhof eine zweistündige Show der Extraklasse hin.

Als Support hatte die Osnabrücker Rock-Fee Katrin Remmert mit   „k’s life“  für diesen speziellen   „Magician’s Birthday“ gut vorgeheizt.  40 Jahre Rock – das schreit nach   „Celebration“! Und dann kam tatsächlich ein wahres Sound-Gewitter.  Hammond-Orgel-Orgien und Gitarren-Läufe auf dem treibenden Fundament von Bass-Fantasie  und Schlagzeug-Power ließen alte wie neue Songs erblühen.

Allein Mick Box, den Ur-Heep-„Oberindianer“, zu beobachten ist eine Wonne für sich. Wie einen Pokal hebt und schwenkt er mitunter seine Gitarre – total tiefentspannt. Die wenigen jüngeren Fans im Publikum wünschten sich bestimmt insgeheim so einen coolen Opa. Mit seiner grauen Matte könnte Box natürlich auch die Großmuter in „Rotkäppchen und der Wolf“ spielen. Toller Typ! Alle Band-Mitglieder leisten an ihren Positionen Großartiges.  Hervorzuheben ist Bernie Shaw, der seinen Gesang in den letzten Jahren noch mal perfektioniert hat und auch in den  hohen Tonlagen  nicht abschmiert. 

Diese Besetzung ist wirklich eine Wucht. Man verwaltet nicht wie eine lebendige Jukebox die alten Hits,  sondern ist kreativ. Das zeigt auch die Setlist,  mit dem Opener  „Wake the Sleeper“, dem treibenden „Overload“, dem ergreifenden „What Kind Of God“  und  „Angels Walk With You“ sind fünf Songs vom 2008 erschienen Top-Album  (mit ausgeschlafener Weckgarantie!)  dabei. Auch  das akustisch funkelnde „Love In Silence“  (1995,  „Sea Of Light“) ist eher der Neuzeit zuzuschreiben.  Ganz neu sind „I’m Only Human“ und das groovende  „Corridors Of Madness“. 

Natürlich waren es die Hits aus der Steinzeit, die das Publikum anfeuerten.  Die hatten sich teilweise tapfer in ihre alte Heep-T-Shits gezwängt, auch in der Haar-Wertung  musste mancher die Überlegenheit der im Rampenlicht rockenden Rapunzel  eingestehen.  „Bird Of Prey“ war ein erster Schrei aus der Vergangenheit, „Return To Fantasy“ quasi das Motto des Abends.  Höhepunkt war natürlich die legendäre Zielgrade mit einem ungeheuer packenden  „Look At Yourself“, dem ewigen Highlight  „July Morning“ (das „Child In Time“ von Heep, die heutzutage qualitativ  mit Deep  Purple durchaus auf Augenhöhe sind) und dem megaschnellen „Easy Livin’“. Zugab, Zugabe! Na,  klar.  „Sunrise“ („Rain“ gab’s vorher schon ),  „Sympathy“ und   „Lady In Black“ mit seinen ansteckenden Lagerfeuerchören  (ahhhhha... ahhhhhha...)  waren der reinste Triumphmarsch.  Alle Jahre wieder  –  in dieser Form darf Uriah Heep gerne wiederkommen!!!  

Ein paar Tage vor der ,,Geburtstagsfeier“ nahm ON bereits mit Uriah Heep Kontakt auf...  Die Magie ist halt ungebrochen! „Es hat sich gezeigt, dass wir einer Menge Songs haben, die den Test der Zeit bestanden haben“, sagte Urgestein Mick Box (62) im ON-Interview. Bass-Mann Trevor Bolder (59), seit 1976 mit kurzer Unterbrechung dabei, ergänzt: „40 Jahre, wunderbar – es gibt nicht viele Bands, die das sagen können.“

Mächtige Keyboard-Teppiche, mal im pulsierenden Rhythmus von Jahrmärkten, mal dämonisch wie beim Flirt der Hexe mit dem Zauberer, und natürlich die „Gypsy“.-Gitarrenläufe von Mick Box dominieren den Sound. „Die Hammondorgel und die Wah-Wah-Gitarre, wie ich sie spiele, sind schon Erkennungsmerkmale“, nickt Box. Und natürlich der mehrstimmige Harmoniegesang! Box mit Marketinggesicht: „Led Zeppelin und Black Sabbath hatten einen Sänger, da haben wir uns schon abgehoben.“

Und heute knüpfen Uriah Heep tatsächlich noch mal an ihre Glanztaten an, nachdem sie Mitte der 70er mitunter und in den 80ern dann komplett den Faden verloren hatten. Frühen Glanztatzen – „Salisbury“, „Look at Yourself“, „Demons & Wizards“ – folgten Desaster und menschliche Dramen. An einen zauberhaften 40. Geburtstag war kaum zu denken. Was sich mit „Sea Of Light“ und „Sonic Origami“ (1998) andeutete, wurde mit „Wake The Sleeper“ (2008) eindrucksvoll bestätigt. Auch in Osnabrück – die Band war ja mehrfach da – zeigte man vor einem Jahr, dass der Salat unter der Frischhaltfolie frischer denn je ist. 

Die Band um den „letzten Heep-Mohikaner“ Mick Box, seit 1986 endlich mal personell fest formatiert, brennt wieder. Ein Jungbrunnen ist Schlagzeuger Russell Gilbrook (seit 2007).

Uriah Heep können weltweit auf mehr als 30 Millionen verkaufte Tonträger zurückblicken. Anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums hat sich die Band ins Studio zurückgezogen, um zwölf ihrer größten Hits für das 40th Anniversary Album „Celebration“ neu aufzunehmen. Zudem wurden die zwei brandneuen Songs „Only Human“ (starker Opener) und „Corridors Of Madness“ (magische Kraft) eingespielt, die mit den Klassikern mithalten können. Die Abfolge erinnert an eine leicht verkürzte Konzert-Setlist.

Die alten Nummern wurden vom Tempo und Groove angespitzt. Auf „Free Me“ (hier nicht ganz so schlagerhaft wie in der Urversion) hätte man verzichteten sollen, sonst fällt höchstens „The Wizard“ hinter das Original zurück. „Bird Of Prey”, „Gypsy”, „Free And Easy”, „Stealin’”, „Look At Yourself”, „July Morning“ – großes Rock-Kino! Und „Lady in Black“ und „Easy Livin’” sind Vitaminstöße zwischen Lagerfeuer und Lottogewinn.

Mick Box ist mit recht stolz auf das 40jährige Bandjubiläum: „Das ist schon ein bemerkenswertes Datum, ein Erfolg, den man feiern sollte. Da gab es viele Hochs, die frühen Gold- und Platin-Platten, das Erlebnis, als erste westliche Rockband in Russland spielen zu dürfen, unsere Musik in mindestens 49 Ländern überall in der Welt spielen zu können, neue Freundschaften zu schließen und mit meinen Freunden Musik zu kreieren. Die Talsohle mit Depressionsgefahr für die Band waren sicher die tragischen Todesfälle von Bass-Mann Gary Thain und unserem früheren Sänger David Byron. Aber die Musik lebt weiter!” Die aktuelle Besetzung ist seit 1986 eine kreativ gewachsene Gemeinschaft.

Was hält Mick Box von Trevor Bolder, der u. a. mit David Bowie zusammenarbeitete? Box: „Trevor und ich sind gute Freunde seit 1976, als er erstmalig zu uns in die Band stieß. Er ist ein hervorragender Bass-Spieler, Sänger und Songwriter. Auch geburtstagstechnisch liegen wir im Juni ja Kopf an Kopf.

Trevor ist der Do-it-yourself-Weltmeister in der Band, beständig und ausdauernd gestaltet er sein Haus im Norden Englands um.“ Und Phil Lanzon hat an den Tasten gezeigt, dass selbst ein Ken Hensley nicht immer über allen guten Taten schwebt. Box: „Phil und ich haben eine gewachsene und großartig funktionierende Songwriter-Partnerschaft. Und wir haben den gleichen Humor.“ Es scheint so, dass Russel Gilbrook mit seiner Power die Karten neu mischt . Box lacht und stimmt zu: „Russel ist ein Tier in seiner Schießbude und hat eine ganz eigene Energie eingebracht, die Knitterfalten keine Chance lässt. Abseits dessen spielt er gerne Golf.“

Sänger Bernie Shaw hat spätestens mit den letzten Produktionen den Schatten von David Byron hinter sich gelassen, mit ihm gelingen auch die Klassiker. „Bernie ist ein ganz großer Heep-Vocalist und Frontmann“, schwärmt Box. „Er liebt seine Harley Davidson und ich war der wichtigste Mann auf seiner Hochzeit.“

Auch Trevor Bolder kommt ins Schwärmen: „40 Jahre – es gab so tolle Sachen auf diesem Weg, aber das Allerbeste ist, dass wir überall in der Welt unsere Musik immer noch mit der Energie der frühen Jahre spielen. Es gab Tiefs, aber es überwiegt der Stolz, da anständig und gestärkt rausgekommen zu sein.“ Mick Box ist natürlich sein langjährigster Freund in der Band. „Wir haben eigentlich fast unser ganzen Leben miteinander verbracht.“ Sein Humor sei klasse, mit „seiner nimmermüden Kreativität“ hat er die Band am Leben gehalten.

Phil Lanzon ist ein fantastischer Musiker mit treibenden Orgelspiel: „Er mag es, die Gegend zu Fuß zu erkunden ist unermüdlich darin, Filmmusiken zu schreiben...“ Russel Gilbrook ist ein „komplett anderer Drummer als Lee Kerslake“ und hat den Arbeitstuhl an den Trommeln zu seiner ganz eigenen Sache gemacht: „Er hat der Band Auftrieb gegeben, seit er das Trommeln bei uns lebt und atmet.“ Bernie Shaw sei „der Heep-Sänger durch und durch“, der seinen Wein liebt und sich da „als geschmackssicherer Kenner versteht”.

Und zu guter Letzt verrät Mick Box – selbst ein Meilenstein in der Rock-Geschichte – ON-Lesern seine Top 5 der persönlichen Lieblingsalben. Das sind: Jeff Beck „Truth” , Roger Walters  „Amused to Death”, Graham Nash „Songs for Beginners”, Neil Young ,,Harvest” und das Debütalbum „Led Zeppelin“ von Led Zeppelin. Okay. Box, der in Deutschland die besten Fans der Welt hinter sich weiß, lacht: „Unsere Alben sind natürlich auch nicht übel.“

 
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