Jetzt muss ich diesen Traum richtig realisieren
- 16.01.2009Michael Hirte (44) – Der Mann mit der Mundharmonika startet durch
Osnabrück. -
Interview Teil 2: Schöne Bescherung mit Pudhys & AC/DC
Bildergalerie: Michael Hirte zu Gast bei der ONHörprobe: Best Of Michael Hirte
Michael Hirte, okay, natürlich gerne per Du! „Wenn Michael es nicht wird, fresse ich die Jacke auf“, hat Dieter Bohlen vor deinem sensationellen Sieg – 72 Prozent! – gesagt. Jetzt trommelst du für deine Tournee. Magst du Interviews?
Hirte: Na ja, jetzt geht’s einigermaßen. Ich bin eigentlich kein großer Redner. Ich spiele lieber Mundharmonika. Soll ich mal?
Logisch ...
„You raise me up“ ist zur Zeit mein Lieblingssong... Hey, aber ich kann auch was Lustiges! (er spielt die Pippi-Langstrumpf-Melodie an)
Wunderbar! In allerkürzester Zeit eroberte Michael Hirte die Herzen eines Millionen-Publikums. Von den Berliner Fußgängerzonen ins Rampenlicht – steht dein Leben jetzt völlig kopf?
Dieser ganz plötzliche Umschwung für mich und das Ergebnis der Show – das ist eigentlich der Verdienst der Publikums. Für mich ist das wie ein Traum. Und jetzt muss ich diesen Traum richtig realisieren und was daraus machen.
Ist da nur reine Freude oder manchmal auch etwas Angst im Spiel?
Es kommt schon einiges auf mich zu. Man muss zusehen, dass man lernt, damit zu leben. Bockwurst mag ich immer noch lieber als Kaviar.
Wer hat dich denn in die Show „Deutschland sucht das Supertalent“ geschoben?
Ich habe mich Anfang des Jahres telefonisch mit dem Titel beworben, bei dem die meisten Leute gesagt haben, das Ding ist richtig gut. Immer wieder wurde auf der Straße gesagt: Du gehörst auf die Bühne! Es war „Ave Maria“. Das war der beste Titel, den ich hatte und der mir schon viele Wege öffnete. So dachte ich, vielleicht hat man damit eine Chance, an der Jury vorbeizukommen...
Viele meinen ja schon, der Titel ist nicht von Schubert, sondern von Michael Hirte. Gibt’s noch Kontakte zur Straße?
Zur Weihnachtszeit habe ich noch mal auf der Straße was gemacht, da saß einer, mit dem habe ich zusammen gespielt. Der hat sich gefreut. Es war schön. Es hat sich eine Traube gebildet, und die haben da bei ihm ’nen Haufen Geld reingeschmissen. Als ich dann los musste, wollte er mir was abgeben. Ne, lass, mal, frohes Fest! Er war total glücklich.
Gibt’s auch viele Neider?
Weiß ich nicht. Ich bekomme davon nicht so viel mit. Ich bin nur unterwegs.
100000 Euro gewonnen, raus aus den Schulden – mal ganz ohne Peter Zwegert. Geht’s dir jetzt richtig gut?
Man ist schon beruhigter im neuen Jahr angekommen. Jetzt kann ich wieder positiv von vorne anfangen, für diese Chance bin ich allen dankbar.
Muss man befürchten, dass da einer am Nasenring von RTL, Managern und Plattenfirmen rumgeschubst wird? Kannst du künstlerisch frei durchstarten?
Nee, kein Problem. Wenn ich irgendwas nicht möchte, muss ich das dann auch nicht machen. Es ist meine Entscheidung. Ich spiele gerne! Früher musste ich darum betteln oder fragen, heute ist das anders. Man fragt mich, ob ich komme. Das ist natürlich ein angenehmeres Spiel.
Nervt es, oder war es sogar eine Starthilfe, stets mit bewegenden Geschichten als der deutsche Paul Potts gehandelt zu werden?
Er hat Glück gehabt, ich auch. Mit seiner Stimme hat Paul Potts ganz schön was geschafft. Ich habe es eben mit der Mundharmonika versucht. Ich zeige, wie die klingt. Die Mundharmonika ist ja meine Stimme.
Die Leute klatschen ja schon, wenn du mal wieder ’ne neue ,,Mundi“ ziehst. Was geht da ab?
(lacht) Manche Lieder erfordern verschiedene Tonarten – dann muss ich umwechseln, von einer Mundharmonika auf die andere. Dann ziehe ich ’ne neue „Mundi“, steck die andere weg. Das geht flüssig, das ist wohl das Verwunderliche. Und wenn ich dann mit dem richtigen Ton wieder loslege, freuen sich die Leute. Irgendwie geht das.
Mundharmonika als Lead-Instrument – man wäre vorher in der Musikindustrie ausgelacht worden...
Die Zeit auf der Straße war schon ein Training. 2000 bin ich angefangen, habe zum Playback „Ave Maria“ gespielt. So hatte ich die Gelegenheit, da immer mehr Gefühl reinzulegen. Der eine Ton lauter, der andere leiser – irgendwann hat das schön geklungen. Da haben mache Leute gesagt: Du gehörst nicht hierher, du gehörst nicht auf die Straße. Okay – jetzt bin ich hier.
Mit acht Jahren die erste Mundharmonika, Hirte belebt ein totgesagtes Volksinstrument ... Gibt’s Vorbilder?
Ich hatte mal ein Vorbild, das war der Stefan Distelmann.
Ach, was! Der Berühmte?
Der hat doch mal den „Reichsbahnblues gespielt“.
Unglaublich. Es gibt so Namen wie Little Walter, Sugar Blue... Stevie Wonder hat ziemlich viel Mundharmonika bzw. Blues Harp gespielt. Bob Dylan natürlich...
Der ist natürlich auch nicht schlecht. Und John Lee Hooker – toll.
Für musikalische Schnellverzehrer ohne Telefonjoker gilt wahrscheinlich Bernd Clüver („Der Junge mit der ...“) bis dato als Deutschlands berühmtester „Mundharmonikaspieler“ – aber heute übertrifft Hirte einfach alles. Wann kommt das überfällige Duett Michael Hirte feat Bernd Clüver mit „Der Mann mit der Mundharmonika“?
(grinst) Nein. Das ist noch nicht angedacht. Das Lied „Der Junge mit der Mundharmonika“ habe ich schon mal bei einer Karaoke-Veranstaltung gesungen. (greift zur „Mundi“ und spielt den Song )
Sensationell! Das klingt doch voll nach Charts – das müsste durchstarten, darauf verwette ich meine Jacke. „Spiel mir das Lied vom Tod“ – viele denken bei Mundharmonika-Themen fiebrig an Charles Bronson...
Das ist schon echt einmalig, dieses Motiv! (spielt die Morricone-Melodie an)
Lkw-Fahrer, 1991 der Unfall, zwei Monate Koma, auf einem Auge blind, gehbehindert, Hartz-IV-Empfänger – kein Bilderbuchleben... Sicher eine der emotionalsten Geschichten des Jahres?
Daraus lernt man. Ich habe eben versucht, nicht aufzugeben. Fast jeder hat wohl sein Gebiet, sein Feld, wo er Vorteile hat. Man kann was machen, darf sich nicht zurückziehen...
Gibt’s Einschränkungen?
Es ist schon mein Gang. Ich hab mich da neulich mal laufen sehen... (lacht) Ich muss abnehmen!
Ein schönes Nahziel! Ein guter Vorsatz – dafür von hier aus die ehrlichsten und herzlichen Wünsche – könnte auch sein, nicht beim nächsten Dschungelcamp dabei zu sein...
Genau. Da möchte ich nicht hin. Ich spiele Mundharmonika. Und ich wünsche wirklich allen, dass ihnen auch mal so ein Weihnachtsmärchen passiert wie mir.
Bildergalerie: Michael Hirte zu Gast bei der ON
Hörprobe: Best Of Michael Hirte
Interview Teil 2: Schöne Bescherung mit Pudhys & AC/DC





