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Laut? – „Ich liebe es, in einer solchen Atmosphäre zu spielen“

- 21.02.2010

ON-Interview mit Hollis Price über einen Neuanfang im Artland, die Rückennummer 44, Basketball in Mailand und den Tod seiner Schwester



Laut? – „Ich liebe es, in einer solchen Atmosphäre zu spielen“
Laut? – „Ich liebe es, in einer solchen Atmosphäre zu spielen“  lupe_rot
Quakenbrück (eb) – Am vergangenen Mittwoch landete er auf dem Flughafen Bremen, am Donnerstag trainierte er erstmals mit seinen neuen Quakenbrücker Teamkollegen. „Ich bin gekommen, um der Mannschaft zu helfen, die eine oder andere schwierige Phase auf dem Parkett zu meistern“, sagt Hollis Price.

Der Spielmacher und Neuzugang der Artland Dragons spricht wenige Tage nach seiner Ankunft in Deutschland im großen ON-Interview über seine Entscheidung für die „Drachen“ und die Basketball-Bundesliga.
ON: Herr Price, wie war das Wetter in Houston/Texas, als Sie aus den USA in Richtung Deutschland abgeflogen sind?
Hollis Price: Oh, es war auch dort kalt, aber nicht so kalt wie hier in Quakenbrück. Und wir hatten keinen Schnee in Houston.
Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie jetzt wieder einen Vertrag in Deutschland unterschrieben haben?
Mein erstes Jahr in Berlin (Saison 2005/06, Anm. d. Red.) war einfach großartig, es war eine tolle Zeit. Und es war eines meiner besten Jahre als professioneller Basketballspieler. Ich konnte mich auch jetzt noch gut an die Artland Arena erinnern. Ich habe dort mit ALBA gespielt, wir kamen als Tabellenführer. Es gibt einige tolle Hallen in Deutschland, aber hier war es unfassbar laut, ein sehr intensives Spiel, etwas sehr Spezielles. Ich liebe es, in einer solchen Atmosphäre zu spielen – dort, wo die Kulisse richtig mitgeht.
Sie haben in Sevilla, Moskau und Mailand gespielt – in europäischen Metropolen. Jetzt kommen Sie in das 13000-Einwohner-Städtchen Quakenbrück. Ist das nicht ein Kulturschock für Sie?
Nein, nein. Es ist in Ordnung, sogar sehr in Ordnung. Ich habe es ja selbst so entschieden. Hier bei den Artland Dragons haben sie mich gewollt. Ich hätte am Jahresanfang auch Angebote anderer Vereine annehmen können, aber ich habe sie abgelehnt. Die Anfrage aus dem Artland war für mich nun die perfekte Situation, diesem Klub helfen zu können. Und der Verein hilft mir.
Die anderen Angebote, die Sie neben Quakenbrück hatten, kamen immerhin von zwei aktuellen Euroleague-Vereinen aus Polen und Grie-chenland...
Das ist richtig. Aber, so ist eben das Geschäft. Erst bewegen sich manche Verhandlungen schnell aufeinander zu, es wird heiß, dann kühlt sich das gegenseitige Interesse wieder ab. Bei den Gesprächen mit den Artland Dragons ist es immer heiß geblieben. Der Agent in den USA sagte mir dann, ich solle mich darauf gefasst machen, in ein paar Tagen meine Tasche zu packen, um nach Europa zu fliegen. Nun freue ich mich riesig, dass sich die Möglichkeit ergibt, hier zu spielen.
Sportlich sollen Sie helfen, die „Drachen“ in die Play-offs der besten acht Mannschaften der Bundesliga zu bringen. Sie sollen dem Team mehr Stabilität geben. Sie sollen helfen, enge Spiele nicht mehr zu verlieren, sondern endlich zu gewinnen. Sind das die Aufgaben, auf die Sie sich freuen?
Ja, aber es ist keine ganz einfache Situation. Ich möchte deutlich sagen: Ich will hier im Team niemandem etwas aufzwingen. Ich bin gekommen, um der Mannschaft zu helfen, die eine oder andere schwierige Phase auf dem Parkett zu meistern. Insgesamt ist dieses Team aber absolut konkurrenzfähig, es spielt hart, auch die vielen knapp verlorenen Spiele zeigen das. Es ist bereits eine Reihe von Führungsspielern da. Ich will ganz einfach meine Erfahrung einbringen, ich will helfen, damit wir künftig die besagten Spiele am Ende gewinnen können.
Wir sprachen eben von der besonderen Atmosphäre der Artland Arena. Sind Sie ein Spieler, der viel mit dem Publikum kommuniziert, der durch Gesten und Zeichen während der Spiele mit den Fans „spricht“?
Gute Frage, das weiß ich gar nicht so genau... Auf jeden Fall möchte ich in erster Linie durch die Qualität meines Spiels überzeugen. Ich glaube, das kann ich, und dann kommt der Rest von alleine.
Am Ende hat es bei Armani Mailand in Italien nicht mehr funktioniert? Sie kamen nicht mehr zum Einsatz, Sie erhielten eine Abfindung vom Verein. Warum wurde Ihr Vertrag dort vorzeitig aufgelöst?
Ganz ehrlich, ich weiß es bis heute nicht. Aber ich kann Ihnen sagen, was zuvor passiert ist. Im vergangenen Jahr ist meine 15 Jahre alte Schwester – und das wissen viele Leute nicht – an einem Gehirntumor gestorben. Ich war gerade im Januar 2009 aus Moskau nach Mailand gewechselt. Sie starb im Frühjahr. Ich bin vorher zurück nach Hause, um sie noch einmal zu sehen. Ich bin auch direkt nach ihrem Tod wieder in die USA geflogen, aber nur kurz. Zeit zum Trauern hatte ich nicht, ich musste sofort wieder spielen. Ich weiß, das ist nicht wirklich eine Entschuldigung, aber es fiel mir schwer, mich in jenen Tagen auf Basketball zu konzentrieren. Ich habe dem Trainer in Mailand gesagt, ich werde mich während der Sommerpause erholen, um zur neuen Saison fit zu sein. Er hat offenbar entschieden, nicht mehr mit mir zu planen...
Sie erhalten in Quakenbrück die Trikotnummer 44, haben Sie sie selbst ausgesucht?
Ja, aus gutem Grund. Ich wollte die 44 schon vergangenes Jahr, weil Barack Obama der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. In diesem Jahr ist noch ein weiterer Grund hinzugekommen. Die New Orleans Saints aus meiner Heimatstadt haben den 44. Super Bowl im American Football gewonnen. Das war ein großer Moment. Außerdem, 4 plus 4 ist acht – und im Spirituellen steht die 8 für einen Neuanfang. Die Artland Dragons sind praktisch ein Neuanfang für mich.
Was können die Dragons-Anhänger vom Spieler Hollis Price erwarten?
Ich habe gehört, dass die Fans hier Woche für Woche sehr, sehr treu zu den Heimspielen in die Halle kommen. Ich möchte Energie einbringen, ich möchte dem Team helfen, ich möchte den Fans etwas zurückgeben. Ich bin ein Spielmacher, der eher den Pass auf den Mitspieler sucht als den eigenen Wurf. Ich glaube, so einen pass-first-point-guard kann die Mannschaft noch gebrauchen, weil wir viele andere Spieler haben, die „vollstrecken“ können.
Es gibt Gerüchte, abseits des Platzes lieben sie Bow-ling...
Ja, ich glaube sogar sagen zu dürfen: Das kann ich ganz gut. Gibt es hier eine Bowling-Bahn in der Nähe..? Ich habe meine eigene Heim-Kugel und meine Bowling-Schuhe allerdings noch in den USA. Es geht hier in den nächsten Monaten ja eigentlich auch um etwas anderes – um Basketball.

Einen os1tv-Videobeitrag zur Ankunft von Hollis Price in Quakenbrück finden unsere Leser auch im Internet unter www.on-live.de

 
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