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Serie: Kaffee-Röstereien

Opa Högermann hatte richtig Gas gegeben

- 30.12.2009

Kaffeeröstereien (14): Högermann & Rohdes Wappen-Kaffee



Gerd Schwietert, hier in seiner Kaffeerösterei in Lengerich, war Lehrling bei Högermann und Rohde.
Gerd Schwietert, hier in seiner Kaffeerösterei in Lengerich, war Lehrling bei Högermann und Rohde.
Osnabrück (pr-) - „Der hätte beinahe die ganze Bude abgefackelt“, erinnert sich Gerd Schwietert (Lengerich) an ein einschneidenes Erlebnis in seiner Lehrzeit bei Högermann & Rohde. In der Lebensmittelgroßhandlung an der Niedersachsenstr. 12 lag das Kaffeerösten in der Hand von Fritz Högermann, den die Mitarbeiter „Opa Högermann“ nannten.

„Der Senior hatte einfach zuviel Gas gegeben“, schmunzelt Heiner Kortlüke (Vehrte), wenn er über den Brand des Rösters erzählt. Das muss 1962 gewesen sein. Opa Högermann hatte mal wieder den Gasbrenner des Rösters in dem knapp 20 qm großen Raum in der 1. Etage des 2-geschossigen Anbaus des Haupthauses in Gang gesetzt. Den beiden damaligen „Stifte“, Gerd Schwietert und Heiner Kortlüke, kroch beim Gang über den Hof „plötzlich so ein komischer Geruch in die Nase“. Ihnen war schnell klar, dass die Kaffeebohnen im Röster Feuer gefangen hatten.

Sie griffen zum Feuerlöscher und verhinderten einen höheren Schaden, denn der 2-geschossige Anbau hatte ein hölzernes teerpappengedecktes Flachdach. Schwietert: „Ich habe als Dank dann ein Buch über den Kaufmannsberuf geschenkt bekommen, das habe ich heute noch“. Vermutlich waren die getrockneten Spelze, ein Abfallprodukt der Kaffeebohnen, in Brand geraten. Wie in den meisten Kaffeeröstereien war die Veredlung der Bohne Chefsache. Gerd Schwietert durfte Opa Högermann wohl helfen, aber nicht rösten, obwohl er als Sohn eines Kaffeerösters in Lengerich schon vorher das Gespür für das richtigen Rösten entwickelt hatte.

Heiner Kortlüke hat 1960– 1962 Großhandelskaufmann an der Niedersachsenstraße gelernt. Kaffee war nur ein Teil des Geschäfts von Högermann und Rohde. Hotelier Kortlüke erinnert sich ebenso wie Schwietert noch sehr genau, dass er als Lehrling die Kaffeesäcke (60 und 75 kg) vom Hof bis in die 1. Etage schleppen musste. Mit dem Firmen-Lkw waren 20–25 Jutesäcke („... die waren nicht groß, aber schwer“) von der Bahn abgeholt und zur Rösterei transportiert worden.

Kortlüke, Jahrgang 1942, hatte vor der Lehre noch die Handelsschule besucht. Wohl auch deshalb fiel im schon im letzten Lehrjahr die Lagerverwaltung zu. Morgens holten die 4 Lastwagen die Ware vom Spediteur und vom Lagerhaus, wurde abgeladen und neu für die Kundentouren zusammengestellt. Beliefert wurden Geschäfte in den Landkreisen Osnabrück und Wittlage bis Diepholz, aber auch die eigenen Filialen, die unter der Bezeichnung „Dina Nümann“ betrieben wurden. Die 21 Geschäfte gab es nur außerhalb von Osnabrück im Emsland, in der Grafschaft Bentheim bis zum nördlichen Ruhrgebiet. Und der Wappen-Kaffee wurde meist über „Dina Nümann“ vertrieben.

Wolfgang Melius (72), der später die väterliche Handelsagentur u. a. für Rohkaffee und Tee übernahm, war für Högermann und Rohde als Reisender von 1958 bis 1960 tätig. „Dina Nümann war eine Kundin im Südkreis, die für den Namen der Filialkette Patin stand“, erinnert sich Melius. Als Reisender besuchte er Kunden und Filialen mit einem Firmenwagen, ein VW-Käfer mit der Brezelscheibe.

Josef Stahl (88) war ab 1957 bei Högermann und Rohde tätig – „bis zur Pleite“, wie er sagt, und die kam im Mai 1963. Er belieferte mit den Firmen- Lastwagen (3,5 t mit Anhänger) meist die „Dina Nümann“-Filialen. Die erhielten 2-mal wöchentlich Ware, einmal Gemüse und Obst, einmal Lebensmittel. „Morgens um 4 Uhr ging es los, wir mussten ja bis ins Ruhrgebiet nach Castrop-Rauxel, Hamm und Lünen.“ Zunächst fuhr Stahl einen Magirus, später einen Mercedes. „Im Magirus haben wir im Winter tüchtig gefroren, aber der Mercedes hatte dann eine Zusatzheizung von Bosch – dann ging‘s ja“.

Am Firmensitz Niedersachsenstr. 12 hatte Fritz Högermann gemeinsam mit seinem Partner Rohde das Sagen. Mit ihren Söhnen Rolf Högermann und Wolfgang Rohde war aber bereits die nächste Generation in der Verantwortung. Doch das ging nicht gut. Während die Senioren sich gut verstanden „waren die Junioren wie Feuer und Wasser“, erinnert sich Heiner Kortlüke. „Das konnte man mit dem Holzschuh fühlen, dass das mit den beiden nicht funktionierte“.

Fritz Högermann, der zur Abwicklung seines Unternehmens knapp 70 Jahre gewesen sein muss, habe immer sortenrein geröstet und nach der schnellen Abkühlung der Bohnen, seinen Wappen-Kaffee gemischt, erinnert sich Wolfgang Melius. Die Rezeptur dafür sei wohl nirgendwo aufgeschrieben worden: „Das war das Geheimnis des Röstmeisters und der bewahrte es in seinem Kopf auf“, bestätigt auch Gerd Schwietert. Högermann und Rohde dürfte für den Wappen-Kaffee vornehmlich „Arabica“-Bohnen verwandt haben, die im Hochland von Mittel- und Südamerika wachsen. Arabica gilt als die hochwertigste Bohne und wird bis heute in kleinen Plantagen angebaut. Im Gegensatz zur schnell wachsenden Kaffeesorte „Robusta“ zeichnet sich Arabica durch edleren Geschmack und deutlich geringeren Koffeingehalt aus. Robusta-Kaffee wird vorwiegend im Flachland angebaut. Leider liegen uns von Högermann und Rohde nur wenige Unterlagen vor. Beispielsweise ist nicht bekannt, wann das Unternehmen gegründet worden ist. Als die Ära von Högermann und Rohde im Mai 1963 endete, war Gerd Schwietert noch in der Lehre.

Er wurde von der Firma Berckemeyer (Folge Nr. 10) übernommen, beendete dort seine Ausbildung und stieg dann in den väterlichen Betrieb in Lengerich ein.

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